Blickwinkel öffentlicher Berichterstattung
Ulrich Reinthaller mit Rilkes „Duineser Elegien I-V“ in Wien
Klage eines Träumers
Reinthaller rezitiert Rilke. Ein philosophisches Selbstgespräch im Wiener Radiokulturhaus.
Man solle gar nicht erst versuchen, die Verse Rilkes mit dem Hirn zu fassen, sagt Ulrich Reinthaller zu Beginn. Man solle lieber das Herz einschalten. Und den Bauch, den fürs Mystische irgendwie Zuständigen. Die „Duineser Elegien“ sind ein gewaltiger Brocken.
Die ersten fünf hat sich der Schauspieler hergenommen, rezitiert – nein, eigentlich spielt er sie. Ist triebhafter Flussgott genauso wie schützende Mutter, rechtet mit dem Vater, mit schrecklichen Engeln. Und macht ein Paar aus dem Publikum, das sich an den Händen hält, zu Rilkes Liebenden, der ihm höchsten Möglichkeit menschlichen Seins. Traumwandlerisch turnt Reinthaller durch Rilkes eigenwilligen Duktus, gestaltet die über weite Bögen gespannte Sprache als philosophisches Selbstgespräch. "Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?" Dieser in Duino gehörte Satz soll Rilke 1912 zu seinen Klageliedern inspiriert haben.
Begleitet wird Reinthaller von Christophe Pantillon, der, atmosphärisch sehr stimmig, Cello-Suiten von Bach spielt. Ein gelungener Abend.
MICHAELA MOTTINGER
Kurierwertung: 4 von 5 Punkten.
Ulrich Reinthaller mit Rilkes „Duineser Elegien I-V“ in Villach
SANFTMÜTIG DURCH WORTKURVEN
Arzt –vom Wörthersee-Schauen oder Rilke ehren? Beide Angebote zusammen ergaben jedenfalls am Wochenende eine proppenvolle „neuebuehnevillach“. Die Fans von Ulrich Reinthaller erlebten dabei ihren Star einmal ganz anders. Sowohl diese als auch Rilke-Liebhaber ließen sich „mit Sanftmut aus der Kurve tragen“.
Dazu lud der Schauspieler in kurzen Einführungsworten. Und danach tat er alles, um die sanfte Kurvenfahrt auch zu ermöglichen: Die ersten fünf der zehn Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke, die der Dichter 1912 auf Duino begonnen und 1922 in der Schweiz vollendet hatte, entfalteten ihren unenträtselbaren Zauber.
Reinthaller „spielt“ sie, auswendig, wortdeutlich – und doch wie selbstverständlich. Er setzt mit fast immer sparsamen Gesten, ebensolchen Bewegungen durch den Raum und intensivem Blickkontakt ganz eigene, spezielle Akzente. Die deuten Rilkes wunderbar „unsinnige“ Wortspiele nicht, heben sie aber wie Schätze; betonen kühne Metaphern (oder manchmal auch solche, die man beim Lesen übersieht).
So leise, dass man kaum zu husten wagt (und schon gar nicht, zu schnäuzen …), aber überdeutlich kommen Rilkes Wahrheiten daher. Zum Schluss wissen wir wieder, dass jeder Engel schrecklich ist. Oder, dass uns ein („wem, wem zuliebe?“) niemals zufriedener Wille wringt, schlingt und schwingt – auch dank dieser weitgehend unpathetischen, konzentrierten, dichten Interpretation, die in Christophe Pantillons Wiedergabe von Bachs Cello-Suiten eine schöne Ergänzung findet.
FRIEDA STANIK
KRONENZEITUNG – Dienstag, 1. Jänner 2008
Rilke-Forum www.rilke.de
Ulrich Reinthaller betritt die Bühne mit einem Lächeln und wendet sich sofort sehr persönlich an das Publikum im Großen Sendesaal (der von sich aus nicht gerade eine Atmosphäre bietet, die einen sofort an Rilke denken läßt) und erklärt zunächst, er wolle „Zeit gewinnen“. Sowohl er als auch wir können uns so an das Mikrophon gewöhnen, das er – des Audio-Livestreams wegen – im Gesicht trägt.
Nachdem er auch alle begrüßt hat, "die – wie passend bei Rilke – über den Äther mit uns verbunden sind", ebenso wie auch alle, die zu diesem „Verbundensein“ nicht erst ein Medium wie das Internet benötigen, spricht er ein paar Worte über die „Mystik“ und bittet uns: „Lassen Sie sich sanft den Verstand rauben…“
Christophe Pantillon hat das erste „Wort“. Er wird den ganzen Abend musikalisch gestalten, mit Bachs Cello-Solosuiten, wunderbar intim und ganz ohne allen Aufhebens, mit großer Selbstverständlichkeit interpretiert.
Und dann Ulrich Reinthaller: „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn…“ --- er geht frei im Saal herum, spricht auswendig, mit ganz natürlicher Mimik und Gestik, sucht immer wieder den direkten Blickkontakt mit seinem Publikum, als ob es das Allernormalste von der Welt wäre, worüber er spricht… auch seine Stimme hat es dabei niemals nötig, eine pathetische Farbe anzunehmen. Rilkes nicht immer ganz leicht verständliche Worte scheinen Ulrich Reinthaller ganz unmittelbar aus dem Herzen zu kommen…
Und ich erkenne: in seinen „Duineser Elegien“ hat Rilke zwar über Dinge gesprochen, die unser verstandesmäßiges Begreifen bei weitem übersteigen…
Dennoch sind es Themen, die jedem einzelnen von uns in der Wirk-lichkeit seiner Seele sehr vertraut sind.
Jeder von uns hatte wohl schon einmal eine Begegnung mit dem „Engel“, dem „tödlichen Vogel der Seele“… der so schreck-lich sein kann, daß man diese Begegnung manchmal am liebsten gar nicht wahrhaben möchte…
Auch mit dem „Flußgott des Blutes“ haben viele von uns wahrscheinlich das eine oder andere Mal schon zu ringen gehabt…
Und wie viele Menschen kennen doch dieses Gefühl, nicht „wie Zugvögel verständigt“ zu sein, sondern verzweifelt nach Orientierung zu suchen…
Einige mögen sich wohl auch noch an ihre Kindheit erinnern, an diese Zeit im „Zwischenreiche zwischen Welt und Spielzeug“…
Ulrich Reinthaller gelingt es, alle diese Dinge und noch viel mehr Unaussprechliches in den Herzen seiner Zuhörer lebendig zu machen.
Auch die Verbindung der Worte Rilkes mit der Musik Bachs ist eine Idee, die wunderschön aufgeht. Denn auch Bach „spricht“ ja von ähnlich „Unfaßlichem“, und Christophe Pantillon macht es einfühlsam hör- und damit erlebbar…
Und die fünfte Elegie, Reinthallers letzte für diesmal (?): er kennt sie gut, die „Rose des Zuschauns“, und er weiß um die „unsägliche Stelle, wo sich das reine Zuwenig / unbegreiflich verwandelt - , umspringt in jenes leere Zuviel.“ Wie wohl es tut, gerade diese Zeilen in solcher Ehrlichkeit von einem Schauspieler zu hören!
Was Ulrich Reinthaller uns an diesem Abend beschert hat, ist niemals „leer“. Und es ist auch niemals „zuviel“. Auch dann nicht, als er nach dem (nach einem kurzen Atemholen) begeisterten Applaus sich für unseren „Mut“ bedankt, weil wir uns auf diesen Abend eingelassen haben, und noch ein „Geschenk“ für uns hat, wie er sagt, das er lächelnd auspackt:
Du mußt das Leben nicht verstehen,
dann wird es werden wie ein Fest.
Und laß dir jeden Tag geschehen
so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen
sich viele Blüten schenken läßt.
Sie aufzusammeln und zu sparen,
das kommt dem Kind nicht in den Sinn.
Es löst sie leise aus den Haaren,
drin sie so gern gefangen waren,
und hält den lieben jungen Jahren
nach neuen seine Hände hin.
Träume, die in deinen Tiefen wallen,
aus dem Dunkel laß sie alle los.
Wie Fontänen sind sie, und sie fallen
lichter und in Liederintervallen
ihren Schalen wieder in den Schoß.
Und ich weiß jetzt: wie die Kinder werde.
Alle Angst ist nur ein Anbeginn;
aber ohne Ende ist die Erde,
und das Bangen ist nur die Gebärde,
und die Sehnsucht ist ihr Sinn -
An beide Künstler: ein ganz großes DANKE für diesen Abend!
Ingrid Haselberger, Sängerin
Posting über das Rilke-Forum www.rilke.de am 13.2.2008
Rilke-Monodrama DIR ZUR FEIER
Ulrich Reinthaller hat mit der Hörbuch CD " Dir zur Feier" Rilke, dem grössten Lyriker aller Zeiten, ein heutiges Denkmal gesetzt. Der hochsensible Interpret transformiert zum Dichter des totalen Anspruchs und trifft Nerv und Puls des zuende gehenden 19.Jahrhunderts . Dank seiner hohen Sprechkultur und emotionalen Bandbreite erhält durch ihn Rilkes Dichtkunst den ihr gebührenden Glanz und bestmögliche Interpretation : Ein Hörbuch also, das man oft und oft hören , fühlen und begreifen will.
Kärntner Woche (Ilse Gerhardt, 12.1.2007)
Lob der Einsamkeit
Wer auch in einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Wiener Konzerthauses Einsamkeit fühlen kann, kam bei der Rilke-Collage "dir zur feier" voll auf seine Rechnung. Wer in liebevoller Beziehung lebt, war - gerade wegen der brillanten Idee und ihrer perfekten Verwirklichung - in Versuchung, in das frevlerische Gebet der Pharisäer im Gerichtssaal des Pontius Pilatus einzustimmen: "Herr, Gott, wir danken dir, dass wir nicht so sind wie dieser."
Das unfromme Gebet lebte aber nur bis zum donnernden Schlußapplaus, der bewies, dass man auch Einsamkeit künstlerisch zum Genuß überhöhen kann ...
Börsen-Kurier, 28. Oktober 2004
Fernsehliebling Ulrich Reinthaller zeigte sich bei den Festwochen Gmunden von der ernsten Seite. "Dir zur Feier" nennt der ehemalige Burgschauspieler seinen Rezitationsabend, der das Publikum vollkommen in Bann schlug: Rilkes Lyrik einmal frontal und unverstellt. Heftiger Applaus für einen gelungenen Abend. (...)
Den wilden, gierigen Lebenshunger hinter dem Leiden wußte Reinthaller ins Publikum zu tragen.
Kronenzeitung, 4.11.2004
Wer vergangenen Mittwoch DIR ZUR FEIER versäumte, hat wahrscheinlich eines der Highlights des Wiener Neustädter Frühlings versäumt. Der Schauspieler Ulrich Reinthaller begeisterte das Publikum mit seiner Stimme und dem Spiel; so mancher unter den Zuhörern fühlte sich sogar an den großen Oskar Werner erinnert .
Wiener Neustädter Zeitung, 22.4.2005
Seit mehr als 30 Jahren bin ich ein überaus großer Theater-Fan, habe aber selten in meinem Leben etwas derart S c h ö n e s gesehen. Es war eine Sternstunde der Theaterkunst - betrachtet von den verschiedensten Gesichtspunkten.
Margit Hubmann, privates Mail
Landesregierung Kärnten, 22.12.2005
der rilke-abend "dir zur feier" von und mit ulrich reinthaller war für mich
ein unvergessliches erlebnis, und ich kann nur empfehlen, sich auf dieses
abenteuer zu begeben.
ich war auf eine typische lesung eingestellt, aber meine erwartungen
wurden in jeder hinsicht übertroffen. nicht nur, dass herr reinthaller eine
wunderbare interpretation der rilke-werke darbringt, er nimmt die zuhörer
mit auf eine reise der emotionen, vielleicht auch der wiedererkennung,
und schafft dadurch eine einzigartige verbindung zum publikum.
müsste ich den abend in einem wort beschreiben, gibt es nur eines dafür:
"WOW"!
eva maria baier
privates Homepage-Feedback
Internet
Interview anläßlich der Erstausstrahlung des 3. Teiles der Reihe "Der Arzt vom Wörthersee"
Sabrina Hoffmann/Teleschau Mediendienst
Observer-Clipping
Rebell mit Rilke (Überschrift in Dt. Fernsehdaten: 16.6.94)
Wer ist der Typ, der jeden Montag fast sechs Millionen Menschen vor den Fernseher lockt? (Bild-Zeitung: 5.9.94) Außer gutaussehend, musisch und begabt? (Kölnische Rundschau: 9.7.99) ...
Einer der anzubieten hat, was Theaterdirektoren von heute sehr schätzen: zur Darstellungskunst auch die Einschaltquote. (NEWS: 26.2.98)
In Deutschland ist er der TV-Star: Publikums(!)Bambi 95 (BUNTE: 21.9.00) gewesen. Fast jedes Kind zwischen sechs und 13 sah im Sommer die erste Staffel von ‚Hallo, Onkel Doc’. (Wiesbadener Kurier: 18.9.99) Im Klartext: Die Einschaltquoten lagen Mitte der 90er Jahre über denen der Tagesschau. (Heim & Welt: 5.7.00)
Karl LÖBL im ORF nach der Premiere von Patrick Marbers „Hautnah“ im Wiener Volkstheater:
Ulrich Reinthaller, auch diesmal wieder als „Onkel Doc“, aber er beweist, dass er der Großaufnahme nicht bedarf, um mit seinem Gesicht, um mit seiner Sprache wirklich überzeugen zu können und einen Menschen darstellen zu können. Ich hoffe, es bleibt nicht bei einem Comeback, wir würden den Reinthaller gern häufiger am Theater sehen.
Das Timbre seiner Stimme lässt selbst das Vorlesen eines Telefonbuchs zum erotischen Ereignis werden. (Hamburger Morgenpost: 9.7.94) Denn hinter dem Rebellen verbirgt sich ein Romantiker, der die Werke von Novalis und Rilke liebt. (Weser Kurier: 8.7.94) Und was Qualität betrifft, setzt Reinthaller hohe Maßstäbe. (Wiener Kurier: 21.10.98)
Ein Meisterwerk der Darstellung ist denn auch die Verkörperung der Titelrolle (in ‚Lieber Karl’) durch den jungen, österreichischen Schauspieler Ulrich Reinthaller. Sein durchscheinendes Gesicht, seine ungeheuer klaren Augen, Augen wie Wasser und Himmel, durchgeistigt, lösen die Gefühle aus, die diesem so sicher gemeisterten Werk zu fehlen drohten. „Er ist ein Engel, bei dessen Anblick man alles vergisst“, schrieb eine französische Kritikerin. ‚Lieber Karl’ wurde denn auch der meistbesuchte Film des Festivals von Cannes – und prompt nach Amerika verkauft. (STYLE: 3/85)
Ulrich Reinthaller. Geboren wurde er in eine Künstlerfamilie, wurde Mozart Sängerknabe, lernte Klavier, Cello und Saxophon, studierte am Max-Reinhardt-Seminar. Mit kaum 20 spielte er in Maria Knillis Erstling „Lieber Karl“ (Bundesfilmpreis) die Hauptrolle. Seine Bühnenkarriere begann der Diplom-Schauspieler im gleichen Jahr (1984) am Theater in der Josefstadt und wurde schon 1985 ans Wiener Burgtheater verpflichtet – bis 1993. Daneben drehte er 11 Kino- und TV-Produktionen.
(Gong-Staralbum)